Logodesign

Tipps & Tricks Nr. 28

2026-10-18T15:37:20+02:0018. Oktober 2026|

neunmalklug von vh-crossmedia

In der Rubrik „neunmalklug“ veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen Tipps, Tricks und fachliche Infos rund um die Themen Grafik- und Webdesign. Heute:

Neun Logo-Typen – und was sie über Ihre Marke verraten

Ein Logo ist selten nur Geschmackssache. Ob eine Marke mit reiner Typografie auftritt, mit einem Symbol, einer Figur oder einer Kombination aus allem – diese Entscheidung sollte immer aus dem heraus getroffen werden, was die Marke eigentlich vermitteln will. In der Gestaltungspraxis lassen sich die meisten Logos neun Grundtypen zuordnen. Anhand eigener Projekte zeige ich, wie diese Typen in der Praxis aussehen und warum gerade diese Form für den jeweiligen Kunden die richtige war.

  1. Wortmarke: Wenn der Name selbst zum Logo wird

Bei einer Wortmarke gibt es kein zusätzliches Bildzeichen – der Name trägt die gesamte Identität, ganz allein über Schriftwahl, Laufweite und Formgebung. Bei CUT&STYLE wird das kaufmännische Und-Zeichen bewusst groß und verschlungen gesetzt, bleibt aber ein typografisches Zeichen und kein zusätzliches Icon – der Name bleibt vollständig lesbar und trägt die gesamte Wirkung allein. Gerade im Friseur- und Beauty-Bereich, wo es oft laut und verspielt zugeht, wirkt diese klare, reduzierte Typografie bewusst hochwertig und selbstbewusst.

Wortmarke: Wenn der Name selbst zum Logo wird
  1. Buchstabenmarke/Monogramm: Initialen mit System

Ein Monogramm reduziert einen Namen auf seine Initialen – aber gut gemacht, ist es weit mehr als eine Abkürzung. Das zeigt sich sehr deutlich beim neuen Logo für Nickel & Morche Steuerberater PartG mbB: Zwei bislang eigenständige Kanzleinamen mussten zu einer gemeinsamen Form verschmelzen, ohne dabei kalt oder wie eine anonyme Großkanzlei zu wirken. Die Lösung sind zwei ineinandergreifende Klammerformen, aus denen sich N und M zugleich ergeben – ein gemeinsamer Rahmen, der Zusammenschluss und gegenseitige Vertretung sichtbar macht, ohne die persönliche Note zu verlieren, die den Mandanten weiterhin wichtig ist. Genau das ist die eigentliche Aufgabe eines Monogramms: eine strategische Botschaft in eine einfache Form zu übersetzen, nicht nur Buchstaben zu kombinieren.

Buchstabenmarke/Monogramm: Initialen mit System
  1. Einzelbuchstaben-Logo: ein Zeichen genügt

Anders als das Monogramm mit mehreren Initialen setzt ein Einzelbuchstaben-Logo auf ein einziges, sehr markantes Zeichen. Bei der BACKES-Gruppe funktioniert das dreidimensionale „B“ an der Fassade völlig unabhängig vom vollen Firmenschriftzug, der an anderer Stelle im Corporate Design zum Einsatz kommt – ein eigenständiges Erkennungszeichen, das auch dort trägt, wo für den vollen Namen kein Platz ist, etwa auf kleinen Werbeflächen oder als Icon.

Einzelbuchstaben-Logo: Ein Zeichen genügt
  1. Bildmarke: Das Bild trägt allein

Eine reine Bildmarke funktioniert komplett ohne Schriftzug – das Symbol allein muss die Marke tragen, und das gelingt nur mit einer besonders klaren, eindeutigen Bildidee. Beim Logo für Pferdecoaching Eifel verbirgt sich im Negativraum des Pferdekopfes gleichzeitig die Silhouette eines Menschenprofils – beide Formen teilen sich eine gemeinsame Kontur. Diese Technik gehört zu den anspruchsvollsten im Logodesign überhaupt, und sie trifft hier genau den Kern des Angebots: die Verbindung zwischen Mensch und Pferd, ganz ohne ein einziges Wort. Für die meisten meiner Kunden bleibt eine reine Bildmarke dennoch die Ausnahme: Ein Symbol allein trägt in der Regel nur bei Marken, die bereits sehr bekannt sind. Regional verwurzelte Betriebe, die sich erst noch einen Namen aufbauen, sind mit einem Kombinationslogo meist besser beraten.

Bildmarke: Das Bild trägt allein
  1. Abstraktes Zeichen: Form statt Abbild

Ein abstraktes Zeichen zeigt kein reales Objekt, sondern eine Idee in geometrischer Form. Bei Solar Wilden übersetzen schräg gestaffelte Flächen die Assoziation von Sonnenkollektoren, ohne ein Solarpanel tatsächlich abzubilden – reduziert, modern und trotzdem sofort mit dem Thema Energie verknüpft.

Abstraktes Zeichen: Form statt Abbild
  1. Kombinationslogo: Bild und Wort im Duo

Bild und Schriftzug als feste Einheit – das ist die mit Abstand häufigste Logoform in meinem Portfolio, weil sie Sicherheit und Wiedererkennung gleichzeitig bietet. Bei Immobilien Skiba verbinden sich Haus- und Baumsymbol mit dem Firmennamen zu einem Bild, das sowohl die Branche als auch die regionale Verwurzelung in der Eifel transportiert. Ein Kombinationslogo lässt sich später zudem flexibel einsetzen: mal komplett, mal nur mit dem Icon – sobald die Wiedererkennung groß genug ist.

Kombinationslogo: Bild und Wort im Duo
  1. Emblem: Wenn Name und Bild eins werden

Beim Emblem sind Schriftzug und Bildelement untrennbar miteinander verwoben, oft in einer geschlossenen Form wie einem Wappen oder Siegel. Beim Zuchtvereinslogo Riesenschnauzer vom Römerwall legt sich der Schriftzug exakt entlang der runden Form um die Kopf-Illustration des Hundes – Name und Bild ergeben zusammen ein geschlossenes Ganzes. Diese Form wirkt fast automatisch traditionsreich und seriös, weshalb sie sich besonders für Vereine und Verbände eignet.

Emblem: Wenn Name und Bild eins werden
  1. Maskottchen: Eine Figur wird zum Gesicht der Marke

Eine illustrierte Figur macht eine Marke sofort menschlich und einprägsam. Für Floßdorf habe ich eine durchgängige Bauarbeiter-Figur entwickelt, die auf Visitenkarte und weiteren Materialien immer wiederkehrt und dem Betrieb ein freundliches, direkt wiedererkennbares Gesicht gibt – besonders wirkungsvoll bei Handwerksbetrieben, die persönliche Nahbarkeit ausstrahlen wollen.

Maskottchen: Eine Figur wird zum Gesicht der Marke
  1. Signet/Unterschrift-Logo: Der persönliche Schriftzug

Statt einer nüchternen Blockschrift setzt diese Logoform auf eine handschriftlich anmutende Schreibschrift – persönlich, warm, individuell. Bei Göbel Bestattungen ist genau das der Grund für die Wahl: In einem so sensiblen Themenfeld transportiert eine Unterschrift-artige Schrift Nähe und Menschlichkeit, wo eine technische, kühle Typografie fehl am Platz wäre.

Signet/Unterschrift-Logo: Der persönliche Schriftzug

Ein gutes Logo muss nicht kompliziert sein – es muss nur genau zu der Marke passen, die es vertritt. Ob Wortmarke oder Maskottchen, Monogramm oder Emblem: Entscheidend ist nicht die Kategorie an sich, sondern ob die gewählte Form die richtige Wirkung erzeugt. Und weil ein Logo eine Marke meist über viele Jahre begleitet, lohnt es sich, diese Entscheidung von Anfang an sorgfältig zu treffen.

Nicht sicher, welcher Logo-Typ zu Ihrer Marke passt? Das arbeite ich gerne gemeinsam mit Ihnen heraus.

Tipps & Tricks Nr. 27

2026-07-29T14:10:02+02:0029. Juli 2026|

neunmalklug von vh-crossmedia

In der Rubrik „neunmalklug“ veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen Tipps, Tricks und fachliche Infos rund um die Themen Grafik- und Webdesign. Heute:

9 Gründe, warum die Schriftwahl über die Wirkung Ihrer Marke entscheidet

Ein Logo zieht die Blicke auf sich, keine Frage. Aber überall dort, wo eine Marke tatsächlich spricht – in Überschriften, im Fließtext, auf der Website, in Broschüren –, übernimmt die Typografie die Regie. Welche Schrift ich für ein Projekt wähle, ist selten eine reine Geschmacksfrage, sondern eine der folgenreichsten Entscheidungen im gesamten Corporate Design. Hier sind neun Gründe, warum das so ist.

  1. Schrift wirkt, bevor ein Wort gelesen wird

Noch bevor der Inhalt eines Textes erfasst wird, sendet die Form der Buchstaben ein Signal: breit oder schmal, rund oder eckig, leicht oder kräftig. Diese Formensprache entscheidet mit, ob eine Marke seriös, verspielt, modern oder traditionell wahrgenommen wird – ganz unabhängig davon, was tatsächlich geschrieben steht.

  1. Bewusste Kontraste erzeugen Spannung

Manchmal ist es genau der Widerspruch zwischen zwei Schriften, der eine Marke lebendig macht. Bei REAL René Albert | Feuerartistik wurde für das Logo und Headlines auf die breite, expressive „Syncopate“ gesetzt – für den Fließtext dagegen bewusst auf die rundliche, zugängliche „Ubuntu“ als formalen Gegenpol. So entsteht ein Auftritt, der Extravaganz zeigt, ohne die Lesbarkeit zu verlieren.

Bewusste Kontraste erzeugen Spannung
  1. Mehrere Schriften brauchen eine klare Aufgabenverteilung

Sobald mehr als eine Schrift im Spiel ist, muss jede ihre eigene Rolle haben. Bei der Evangelischen Kirchengemeinde Frechen übernimmt die „Meta Pro“ die Überschriften, eine Serifenschrift „Meta Serif Pro“ wird gezielt für Zitate und Highlights eingesetzt, während „Roboto“ den Fließtext trägt. Drei Schriften, drei klar getrennte Aufgaben – kein Chaos, sondern ein System.

Mehrere Schriften brauchen eine klare Aufgabenverteilung
  1. Auch technische Anforderungen prägen die Wahl

Typografie ist nicht nur Ästhetik, sondern auch Funktion. Für praxiswillems.de habe ich bewusst die schmale „Asap Condensed“ gewählt – weil auf kleinen Smartphone-Bildschirmen weniger Platz zur Verfügung steht, schmale Schriften den Raum aber effizienter nutzen. Mehr Text passt in eine Zeile, es muss weniger gescrollt werden.

Typografie ist nicht nur Ästhetik, sondern auch Funktion.
  1. Gleicher Grundton, andere Schrift, andere Wirkung

Zwei „grüne“ Unternehmen, zwei völlig unterschiedliche typografische Persönlichkeiten: GARTENWELT FREY setzt mit der kantigen „Impact“ und der kursiven „Barlow Condensed Black Italic“ auf Kraft und Bodenständigkeit. LEWAK greenprojects dagegen wirkt mit der klaren „Barlow Condensed Regular“ technisch, reduziert und zurückhaltend. Derselbe Farbraum, aber durch die Schrift zwei ganz unterschiedliche Markenwelten.

Derselbe Farbraum, aber durch die Schrift zwei ganz unterschiedliche Markenwelten.
  1. Serifen oder serifenlos – eine grundsätzliche Weichenstellung

Serifenlose Schriften wirken meist modern, klar und digital-tauglich – deshalb dominieren sie in den meisten meiner Projekte auch die Bildschirmdarstellung. Serifen dagegen tragen oft Tradition, Wärme und emotionales Gewicht. Genau deshalb wird bei der Kirchengemeinde Frechen die Serifenschrift gezielt nur für Zitate reserviert – dort, wo besondere Bedeutung mitschwingen soll.

Serifenlose Schriften wirken meist modern, klar und digital-tauglich – deshalb dominieren sie in den meisten meiner Projekte auch die Bildschirmdarstellung. Serifen dagegen tragen oft Tradition, Wärme und emotionales Gewicht.
  1. Schriftschnitte schaffen Hierarchie, ohne die Familie zu verlassen

Man muss nicht immer eine zweite Schrift bemühen, um Struktur zu erzeugen. Light, Regular, Bold und Black innerhalb einer einzigen Schriftfamilie reichen oft aus, um Überschrift, Zwischenüberschrift und Fließtext sauber voneinander abzugrenzen – bei gleichzeitig völlig stimmigem Gesamtbild.

  1. Eine Schrift muss über alle Kanäle hinweg funktionieren

Print oder Web, Visitenkarte oder Website – die gewählte Schrift muss überall gleich gut lesbar und wiedererkennbar bleiben. Im Style Guide für die BACKES-Gruppe etwa trägt die „Exo 2″ alle Überschriften und Untertitel – modern, technisch anmutend und selbst in kleinen Schriftgraden gut lesbar –, während die „Open Sans“ als Grundschrift für Fließtext und Beschriftungen dient: klar, geradlinig und ausdrücklich für Mobile, Online und Print optimiert. Für beide Schriften sind exakte Schriftgrade und Zeilenabstände festgelegt, vom 36-Punkt-Haupttitel bis zur 8-Punkt-Bildunterschrift – so bleibt das System über sämtliche Sparten der Gruppe hinweg konsistent, mit bewusst begrenzten Ausnahmen für Sparten mit eigenem Sonderstatus wie den Rasthof „Zur Schneifel“. Genau deshalb dokumentiere ich in jedem Style Guide exakte Vorgaben für Schriftschnitte, Einsatzbereiche und Farbwerte – als verlässliche Grundlage für Konsistenz, ganz gleich welches Medium.

Eine Schrift muss über alle Kanäle hinweg funktionieren
  1. Eine gute Schriftentscheidung trägt eine Marke über Jahre

Ein Logo wird gelegentlich aufgefrischt, eine Website irgendwann relauncht – die typografische Grundentscheidung bleibt oft deutlich länger bestehen. Wer hier von Anfang an sorgfältig wählt, spart sich spätere Inkonsistenzen und schafft eine visuelle Stimme, auf die sich eine Marke über viele Jahre verlassen kann.

Eine gute Schriftentscheidung trägt eine Marke über Jahre

 


Gute Typografie fällt selten auf – und genau das ist ihre größte Stärke. Sie schafft im Hintergrund Vertrauen, Klarheit und Wiedererkennung, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.

Möchten Sie, dass auch Ihre Marke mit der richtigen Schrift spricht? Ich unterstütze Sie gerne dabei.

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