Manche Projekte sind mehr als ein Gestaltungsauftrag. Die neuen Tafeln für das Ehrenmal in Sinzenich gehören für mich eindeutig dazu. Nicht nur, weil ich 17 Jahre in Sinzenich gewohnt habe und dem Ort sowie der Dorfgemeinschaft bis heute verbunden bin. Sondern auch, weil das Thema besondere Sorgfalt verlangt: Erinnerung sichtbar machen, ohne laut zu werden.

Für die Dorfgemeinschaft Sinzenich e.V. durfte ich die neuen Tafeln des Ehrenmals gestalterisch entwickeln. Entstanden ist eine Anlage, die die Erinnerung an die Opfer von Krieg, Verfolgung und Gewalt würdig bewahrt — und zugleich zeigt, dass Sinzenich ein lebendiger Ort ist, der sich seiner Geschichte bewusst bleibt.

Neue Tafeln für das Ehrenmal in Sinzenich

Wider das Vergessen

Im Mittelpunkt der Tafeln stehen Namen, Schicksale und historische Zusammenhänge. Die Gestaltung sollte dabei vor allem eines leisten: Orientierung schaffen und dem Inhalt Raum geben. Gerade bei einem solchen Thema darf Grafikdesign nicht in den Vordergrund drängen. Es soll strukturieren, lesbar machen und eine ruhige, angemessene Atmosphäre schaffen.

Die dunklen Tafeln, die klare Typografie und die reduzierte grafische Gestaltung geben den Namen und Informationen Gewicht. Der Leitsatz „Wider das Vergessen“ fasst zusammen, worum es bei diesem Projekt geht: Erinnerung soll nicht abstrakt bleiben, sondern an einem konkreten Ort im Dorf sichtbar und zugänglich sein.

Gestaltung mit Verantwortung

Meine Aufgabe umfasste neben Gestaltung und Layout auch die Entwicklung der Textstruktur sowie das Bild- und Illustrationskonzept. Wichtig war dabei, die verschiedenen Inhalte so zu ordnen, dass sie verständlich bleiben und zugleich als zusammenhängende Gestaltung wirken. Die Recherche und inhaltliche Aufarbeitung kamen vor allem von Uwe Kleinert, Mitglied der Dorfgemeinschaft Sinzenich e.V. Ihm gilt an dieser Stelle ein besonderer Dank. Ohne diese intensive Vorarbeit wäre eine so sorgfältige Umsetzung nicht möglich gewesen.

Neue Tafeln für das Ehrenmal in Sinzenich

Erinnerung und Gegenwart

Besonders schön finde ich, dass die Tafeln nicht nur zurückblicken. Auf der Rückseite wird Sinzenich auch als heutiger Ort sichtbar: mit grafischen Ansichten, Ortsmotiven und dem Gedanken „Lebendig. Naturnah. Lebenswert.“ So entsteht ein spannender Zusammenhang: vorne das Gedenken, hinten der Blick auf das Dorfleben. Beides gehört zusammen. Ein Ort besteht nicht nur aus seiner Gegenwart, sondern auch aus den Geschichten, die in ihm weitergetragen werden.

Ein Projekt mit besonderer Bedeutung

Die neuen Tafeln sind inzwischen aufgestellt, die offizielle Einweihung ist für Anfang September geplant. Für mich persönlich war dieses Projekt etwas Besonderes, weil es Gestaltung, Ortsgeschichte und persönliche Verbundenheit miteinander verbindet. Es zeigt, was gutes Grafikdesign im öffentlichen Raum leisten kann: Es macht Inhalte sichtbar, gibt ihnen eine Form und schafft einen Ort, an dem Menschen innehalten können.

Ich freue mich sehr, dass ich dieses Projekt für die Dorfgemeinschaft Sinzenich e.V. begleiten und gestalten durfte.